Sieben Leitlinien in der Existenzellen Pädagogik

Wenn die erziehende Person das Kind in seiner Unverwechselbarkeit wahr- und ernstnimmt und den Blick auf seine Potenzialität richtet, wird sein Sein und Handeln von den folgenden pädagogischen Leitlinien geprägt sein:

 1. Die Person des Kindes gesamthaft in möglichst vielen Aspekten wahrnehmen und sich ein Gesamtbild verschaffen
Jeder Mensch ist als Person eine Einheit. Im Zusammenspiel von Körper, Psyche und Geist wird der einzelne Mensch nur in seiner Gesamtheit erfahrbar. Er ist unteilbar.

 2. Kinder ohne Zuschreibungen und "frei von Bedingtheiten" wahrnehmen
Jeder Mensch ist in seiner Existenz neu. Menschen wollen ohne Zuschreibungen und unabhängig von "Bedingtheiten" wie kulturelle Prägung, soziale Herkunft, Rolle etc. wahrgenommen werden. Teilaspekte lassen nur äusserst begrenzt Rückschlüsse auf die Person zu.

 3. Individualisierendes Eingehen auf die Person des Kindes - auf Rezepte und Handlungsanleitungen in der Erziehung weitgehend verzichten

Jeder Mensch ist einzigartig und unverwechselbar. Weil jeder Mensch in einer noch nie dagewesenen Art und Weise eine eigenständige Person ist, gibt es keine allgemeingültigen Rezepte und Handlungsanweisungen, die in der Erziehung angewendet werden können. Die existenzielle Fragestellung ist, was dieser Mensch jetzt von mir im Hinblick auf eine sinnerfüllte Zukunft braucht. Als Erziehende(r) weiss ich nicht schon im Voraus, was für dieses Kind jetzt (existenziell) wichtig ist. Ich kann es nur zusammen mit dem Kind herausfinden.

 4. Im Vertrauen auf die Geistigkeit des Kindes seine Verantwortung sich selbst gegenüber stärke
Jeder Mensch kann eigenständig Stellung nehmen zu den Bedingtheiten des Lebens und sich in Freiheit dazu verhalten.

Jeder Mensch muss für sich selber einen Umgang mit den Umständen seines Lebens finden. Gegebene Situationen können den Menschen nur bedingen, nicht aber (letztendlich) bestimmen. Darum ist jeder Mensch herausgefordert, seine ganz persönliche Antwort auf das Leben zu geben.

 5. Um die Unvorhersagbarkeit des Verhaltens und der Zukunft des Kindes wissen und auf die Veränderbarkeit setzen

Der Mensch ist kein "faktisches, sondern ein fakultatives Wesen" (Frankl). Er kann sich selber gestalten und ist nie berechenbar. Die logische Konsequenz ist daher, dass Erziehende keine Vorhersagen über Verhaltensweisen oder gar über die Zukunft eines Kindes machen.

 6. Die Person gestaltet sich an sich selbst und an der Umwelt

Der Mensch entwickelt sich im Verwirklichen seiner personalen Werte. Gleichzeitig ist er ein dialogisches Wesen und entwickelt sich durch personale Begegnungen.

 7. Mit den Kindern deren personale Werte entdecken und sie zu sinnvollem Tun anleiten

Menschen sind fähig, über sich hinaus zu greifen, aus sich selbst hinauszutreten und sich auf die Welt einzulassen. Indem der Mensch aus sich selbst heraus steigt und Werte verwirklicht, kommt er sich selbst näher.